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Turnverein Budenheim am Rhein

Am 1. August 1886 wurde der Turnverein Budenheim am Rhein gegründet.
Gründungsmitglieder waren Lothar Reitz, Caspar Gottron, Bernhard Leydecker, Johann Hammer II., Franz Lay und Peter Jacob Hammer I. Geturnt wurde im Sommer im Freien, bei schlechtem Wetter in einer Halle von August Reitz am Bahnhof. Der Wirt Johannes Knecht stellte dem Verein bereits Ende 1886 seinen Tanzsaal zur unentgeldlichen Nutzung zur Verfügung. Ab 1887 zog man zum Winterturnen in die Scheune von Herrn Unkelhäußer um. 1887 wurde dann das Lokal von Herrn Krautkrämer zum Winterturnlokal gewählt.

Zu den ersten Anschaffungen gehörten ein Barren, ein Schwüngel (Pferd), ein transportables Reck, eine Fahne, sowie Trommeln und Pfeifen.

Wer aktives Mitglied werden wollte, musste 18 Jahre alt sein und Eintrittsgeld von 1,50 Mark, sowie monatlich 30 Pfennig entrichten. Neu aufzunehmende Zöglinge mussten 14 Jahre alt sein, einen guten Ruf genießen, und neben 1 Mark Eintrittsgeld monatlich 20 Pfennig Beitrag zahlen. Wer ohne genügende Entschuldigung die Turnstunde nicht besuchte, wurde mit 10 Pfennig Strafe belegt.

Älteste vorhandene Aufnahme, entstanden etwa 1895.

Die Festdamen anläßlich des 25jährigen Vereinsjubiläums 1911

 

Bau der ersten Halle

Am 17. April 1895 kaufte der Turnverein von der Gemeinde für 200 Mark ein 2.507 Quadratmeter großes Grundstück - unter dem Vorbehalt, dass der Turnplatz stets Eigentum des Turnvereins bleiben muss.

Im Jahre 1901 musste erstmals im Winter der Turnbetrieb weitestgehend ruhen, da sich kein kostenlos bereitgestelltes Winterturnlokal fand. Daraufhin wurde am 30. Dezember 1900 erstmals ein Plan für eine 18 Meter lange, 11 Meter breite und 10 Meter hohe Halle in Auftrag gegeben.

Herr Techniker Ries legte im November 1902 einen neuen Plan für die zu bauende Turnhalle vor.

Im Jahr 1903 wurde dann der Grundstein zur Halle gelegt, die in Eigenregie von den Mitgliedern der Turngemeinde gebaut wurde.

Im August 1903 fand die feierliche Einweihung des neuen Heimes des Turnvereins statt.

TGM-Halle um 1903

 

Turngesellschaft Budenheim

Im Jahre 1907 spaltete sich die Turngesellschaft Budenheim von dem Turnverein ab.
Im Gasthaus "Zum Goldenen Ritter" des Herrn Unkelhäußer wurde am 16. Juni 1907 von 28 Anwesenden der neue Turnverein gegründet. Anton Kost wurde zum ersten Vorsitzenden gewählt.

Am 21. September 1910 findet die Turngesellschaft ihr Domizil im Sall des Herrn Krautkrämer. Dieser stellt neben dem Saal auch einen Geräteschuppen und einen Turnplatz zur Verfügung.

Im Jahr 1914 wurden zahlreiche Vorstandsmitglieder zur Mobilmachung eingezogen, sodass in einem Jahr dreimal ein neuer Vorsitzender gewählt werden musste.

Im 1. Weltkrieg kam der Turnbetrieb der Turngesellschaft vermutlich vollständig zum erliegen.
Im Krieg starben zahlreiche Mitglieder der budenheimer Turngesellschaft.

Am 3. August 1919 wurde von 20 anwesenden Turnern eine Vereinigung der beiden Turnvereine noch einstimmig abgelehnt. Doch bereits im Januar 1920 hatte die Turngesellschaft nur noch 9 Mitglieder. Bei einer erneuten Abstimmung stimmten 7 der 9 Anwesenden für ein Zusammengehen der beiden Turnvereine. Alle Vermögenswerte, Inventar und mehrere tausend Mark, sowie alle Mitglieder der Turngesellschaft gingen in der neu gegründeten Turngemeinde auf.

 

Turngemeinde 1886 Budenheim e.V.

Am 15. Februar 1920 wurde die Turngesellschaft und der Turnverein zum eingetragenen Verein "Turngemeinde 1886 Budenheim" vereinigt. Kaspar Gottron (seither Vorsitzender des Turnvereins) wurde zum 1. Vorsitzenden und Adam Krautkrämer (seither Turngesellschaft) zum 2. Vorsitzenden gewählt.

Turner 1930

 

1920 pachtete die Turngemeinde vom Universitätsfonds in Mainz für ihre Fußballabteilung einen Spielplatz und richtete ihn in mühevoller Arbeit her. Im Jahre 1923 spaltete sich die Fußballabteilung der Turngemeinde vom Verein ab. Bis 1932 wurde der Fußballplatz in der Binger Straße aber weiterhin von der Turngemeinde gepachtet, die den Platz dem Fußballverein zur Nutzung überließ. Er ging 1932 schließlich an den Fußballverein über.

Die Beiträge stiegen in den folgenden Jahren dank der Inflation stark an: Am 24. Juli 1923 wurde der monatliche Betrag auf 400 Mark festgesetzt; am 4. August 1923 auf 5.000 Mark pro Vierteljahr erhöht.
Am 11. November 1923 gelingt es dem Vorstand 14,5 Milliarden Mark für Turnzeitungsrechnungen zusammenzubekommen.

Turnerinnen 1943

In den folgenden Jahren werden zahlreiche neue Abteilungen ins Leben gerufen:

Schwimmer 1930

1933 wurde die Turnhalle durch einen Bühnenanbau in der Größe von etwa 15 mal 10 Meter erweitert. Gleichzeitig wurde eine Toilettenanlage eingebaut. Am 19. November wird die neue Halle offiziell eingeweiht.

1934 fand in Budenheim mit dem Kreisturnfest die größte Veranstaltung statt, die es jemals in Budenheim gab.

Ab 1939 wurde die Turnhalle als Getreidespeicher zweckendfremdet.
Das Vereinsleben ging kriegsbedingt immer weiter zurück. Der Turnbetrieb konnte aber in kleinem Umfang aufrechterhalten werden. Gegen Kriegsende wurden schließlich zeitweise ausgebombte Obdachlose aus Mainz in der Halle untergebracht.

 

Neugründung nach dem 2. Weltkrieg

Nach Kriegsende wurde die Turngemeinde - wie auch alle anderen Vereine - durch einen Erlass der alliierten Militärbehörden aufgelöst und verboten. In der Turnhalle zogen die Besatzungstruppen ein, anfangs Amerikaner und dann Franzosen. Dabei gingen viele in der Halle gelagerten Vereinsgerätschaften und -utensilien verloren.

Da Turnvereine von den Militärs als halbmilitaristische Organisationen angesehen wurden, ließen sie das Turnen lange nur innerhalb anderer Sportvereine zu. So wurde zu Anfang des Jahres 1948 unter Federführung des bereits wieder zugelassenen Fußballvereins der Versuch zur Gründung eines Budenheimer Großsportvereins mit der Bezeichnung "Sport Gemeinde 1886" unternommen. Zu einer eigentlichen Gründungsversammlung kam es aber nie. Stattdessen wurde 1948 der Turnbetrieb unter dem Namen "S.G. Budenheim" wieder aufgenommen. Bereits im Sommer 1949 wurde am 1. Kreisturnfest nach dem Krieg in Selzen teilgenommen.

Nach langwierigen Verhandlungen wurde dann am 17. November 1949 vom französischen Kontrolloffizier für Jugend und Sport die Genehmigung zur Neugründung der Turngemeinde 1886 Budenheim erteilt. Am 20.11.1949 fand unter Beteiligung von rund 100 anwesenden ehemaligen Turnern die Gründungsversammlung statt.

Turner 1949

Zum 31.12.1949 zählte die Gemeinde bereits wieder 210 Mitglieder, darunter 50 Kinder. Der Turngemeinde blieben nur noch die Sportarten Turnen und Gymnastik.

Tanzgruppe 1955

 

1950 wurde die Leichtahletikabteilung wiederbelebt.
1953 wurde die Tischtennisabteilung ins Leben gerufen.

Tischtennisspieler 1955

 

Partnerschaft mit Eaubonne/Frankreich

Im Jahr 1968 wurde eine Vereinspartnerschaft mit dem Sportverein "Société Jeanne d'Arc d'Eaubonne" begründet. Der Jugendaustausch war bis Ende der 80er Jahre sehr rege, schlief dann aber leider ein.

Eaubonne 1968

 

Neubau der Halle

Im Jahr 1975 wird der Neubau der Vereinsturnhalle nach Plänen von Architekt Maier in Angriff genommen. Sie wird am 27. November 1976 eingeweiht.

TGM-Halle 1976

 

100-jähriges Bestehen der Turngemeinde 1886 Budenheim

1986 feierten rund 900 Mitglieder das 100-jährige Bestehen der Turngemeinde.

 

125-jähriges Bestehen der Turngemeinde 1886 Budenheim

2011 feierten rund 1200 Mitglieder das 125-jährige Bestehen der Turngemeinde.